Working Capital Management – Teil 2/3: Werthebel im Working Capital

Aktives Working Capital Management sichert die Liquiditätsausstattung durch den effektiven Einsatz der verfügbaren Mittel und bietet große Chancen, bestehende Werte zu heben. In einer dreiteiligen Blog-Reihe zeigen wir, wie sich Kapitalbindungs- und Geldumschlagsdauer eines Unternehmens bestimmen lassen und durch welche Maßnahmen diese positiv verändert werden können.

Teil 2/3: Aktives Management von Forderungen und Verbindlichkeiten zur Erhöhung der Liquidität

Im ersten Teil dieser Serie haben wir das Net Working Capital (NWC) und den Cash Conversion Cycle (CCC) näher beleuchtet.

Die wichtigsten Inhalte von Teil 1 zusammengefasst:

  • Die Kennzahl „Net Working Capital“ gibt Aufschluss über die kurzfristige Kapitalbindung eines Unternehmens.
  • Der Cash Conversion Cycle (CCC) gibt die durchschnittliche Anzahl an Tagen an, die das Unternehmen benötigt, um Kapitalabflüsse für den Kauf von Vorräten in Kapitalzuflüsse aus Forderungen aus Lieferungen und Leistung zu verwandeln.
  • Der CCC berechnet sich folgendermaßen: CCC = DIO + DSO – DPO.
Teil 2/3 gibt Aufschluss über das aktive Management von Forderungen und Verbindlichkeiten zur Liquiditätserhöhung:
  • Ist die Forderungslaufzeit geringer als die Verbindlichkeitenreichweite, kann ein Unternehmen die Verbindlichkeiten aus den Zahlungen der Kunden begleichen.
  • Eine Verbesserung der Rechnungsstellungsprozesse und des Mahnwesens helfen dabei, Zahlungsziele zu verfolgen und aktiv zu managen und auf diese Weise die verfügbare Liquidität zu erhöhen.
  • Aktives Kreditorenmanagement kann die Laufzeit von Verbindlichkeiten verlängern und die Liquidität des Unternehmens erhöhen.

Bei Fragen zu Themen des aktiven Working Capital Management beraten wir auch gerne individuell im Rahmen eines persönlichen Gesprächs. Kontaktieren Sie uns über unser Kontaktformular oder vereinbaren Sie direkt Ihren ersten kostenlosen Beratungstermin.

Ist die Forderungslaufzeit geringer als die Verbindlichkeitenreichweite, ist es dem Unternehmen möglich, die Verbindlichkeiten mit den Erträgen aus den Zahlungen der Kunden zu begleichen

Der Begriff „Days Sales Outstanding“ (DSO) bzw. Forderungslaufzeit bezeichnet die Anzahl der Tage, die zwischen dem Zeitpunkt der Rechnungsstellung und dem Zahlungseingang auf dem Bankkonto vergehen. Eine schnelle Begleichung der Forderungen und somit eine geringe DSO haben eine positive Wirkung auf die Liquidität eines Unternehmens (Vgl. Abb. 1), wohingegen eine hohe DSO eine nur schleppende Rechnungsbegleichung der Kunden impliziert.

Die „Days Payable Outstanding“ (DPO) oder auch Verbindlichkeitenreichweite gibt die Dauer an, die ein Unternehmen im Durchschnitt benötigt, um seine Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen zu begleichen (Vgl. Abb. 1). Aus der Working Capital–Sicht spiegelt eine hohe DPO eine geringere Kapitalbindung und somit mehr verfügbare Liquidität wider.

Ist die DSO geringer als die DPO, kann das Unternehmen die Verbindlichkeiten mit den Zahlungen der Kunden begleichen. Andernfalls muss das Unternehmen die Tilgung der Verbindlichkeiten aus der eigenen Liquidität oder über Kredite vorfinanzieren, wodurch Liquiditätsengpässe entstehen können. Eine Optimierung von Geschäftsprozessen, die im Zusammenhang mit der DSO und DPO stehen, kann diesen Engpässen entgegen wirken.

Abbildung 1

in Anlehnung an Seppelfricke, Peter, Unternehmensanalysen, 1. Auflage 2019, Kap. 2 Finanzanalysen, S. 140
Eine Verbesserung von Rechnungsstellung und Mahnwesen kann die Liquidität eines Unternehmens erhöhen

Mithilfe eines aktiven Forderungsmanagements ist es möglich, die DSO zu verkürzen und so die Liquiditätslage eines Unternehmens zu verbessern.

Maßnahmen, um die DSO zu optimieren, sind:

  • (Neu)Verhandlung der Zahlungsziele: Zahlungskonditionen können mit bestehenden Kunden neu verhandelt werden. Bei Neukunden sollten Sie von Beginn an auf ein möglichst kurzes Zahlungsziel achten. Um für die Kunden einen Anreiz für eine zeitnahe Rechnungsbegleichung zu schaffen, kann ein Skonto gewährt werden.
  • Zeitnahe Rechnungsstellung: Erfolgt die Rechnungsstellung unmittelbar nach Leistungserbringung, begünstigt das Unternehmen einen möglichst frühen Zahlungseingang. Softwarelösungen können hier helfen, den Rechnungstellungsprozess zu optimieren und eine automatische Nachverfolgung der Forderungslaufzeiten zu gewährleisten.
  • Aktives Mahnwesen: Wird neben der zeitnahen Rechnungsstellung auch auf ein regelmäßiges Überprüfen der Pünktlichkeit der Zahlungseingänge geachtet, fallen Zahlungsverspätungen sofort auf und können unmittelbar gelöst werden.
Ein aktives Kreditorenmanagement kann die verfügbare Liquidität erhöhen

Die Erhöhung der Verbindlichkeitenreichweite (Erhöhung der DPO) setzt ebenfalls Liquidität frei. Maßnahmen, zur Erhöhung der DPO sind:

  • (Neu)Verhandlung der Zahlungsziele: Bei neuen Verträgen sollte von Beginn an darauf geachtet werden, möglichst lange Zahlungsziele zu vereinbaren. Gegebenenfalls ist auch eine Neuverhandlung mit den Vertragspartnern bereits bestehender Verträge möglich. Ein Entgegenkommen bzgl. des Abnahmepreises oder anderer Vertragspunkte kann die eigene Verhandlungsposition stärken, um das Zahlungsziel zu strecken. 
  • Ausreizen der Zahlungsziele: Um Zahlungsmittel längst möglich im Unternehmen zu halten, sollten Rechnungen möglichst spät beglichen werden. Dabei sollten Sie jedoch darauf achten, dass das Verhältnis zu Lieferanten/Kreditoren durch die Ausreizung des Zahlungsziels nicht negativ beeinflusst wird.

Ein aktives Management von Forderungen und Verbindlichkeiten können die Kapitalbindung sowie der Liquiditätsbedarf eines Unternehmens reduzieren.

Im nächsten Teil unserer Reihe zu Werthebeln im Working Capital beleuchten wir die Lagerumschlagsdauer und insbesondere die Kennzahl „Days Inventory Held“ näher. Außerdem zeigen wir Maßnahmen zur Optimierung des CCC sowie des Net Working Capital auf.

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