Working Capital Management – Teil 1/3: Werthebel im Working Capital

Aktives Working Capital Management sichert die Liquiditätsausstattung durch effektiven Einsatz der verfügbaren Mittel und bietet große Chancen, um bestehende Werte zu heben. In einer dreiteiligen Blog-Reihe wird aufgezeigt, wie sich Kapitalbindungs- und Geldumschlagsdauer eines Unternehmens bestimmen lassen und durch welche Maßnahmen diese positiv verändert werden können.

Teil 1/3: Die kurzfristige Kapitalbindung und Geldumschlagsdauer als Indikatoren zur Aufdeckung von Optimierungspotentialen im Working Capital

Im ersten Teil werden das Working Capital (WC) und der Cash Conversion Cycle (CCC) näher beleuchtet.

  • Das Net Working Capital gibt Aufschluss über die kurzfristige Kapitalbindung eines Unternehmens.
  • Der Cash Conversion Cycle beschreibt die Dauer zwischen der ersten Auszahlung für den Wareneinkauf, über die Herstellung, bis zum Geldeingang durch den Kunden für einen Auftrag oder ein Produkt.
  • Um den CCC sowie die Dauer der Kapitalbindung zu ermitteln, sind die Finanzkennzahlen bzw. KPIs Days Sales Outstanding (DSO), Days Payable Outstanding (DPO) und Days Inventory Held (DIH) zu betrachten.

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Das Net Working Capital gibt Aufschluss über die kurzfristige Kapitalbindung eines Unternehmens

Das Net Working Capital (auch: Netto-Umlaufvermögen) berechnet sich aus der Summe aus Vorräten und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen abzüglich der kurzfristigen Verbindlichkeiten.

Net Working Capital = Vorräte + Forderungen aus Lieferungen und Leistungen – kurzfristige Verbindlichkeiten

Bei lediglich isolierter Betrachtung des Net Working Capital lässt sich keine absolute Aussage über die Liquidität eines Unternehmens treffen. Es gibt jedoch eine Indikation bezüglich der potenziellen Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens: Ist das Net Working Capital negativ, bedeutet dies, dass das Umlaufvermögen durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten finanziert werden kann.

Ein hohes Net Working Capital kann ein Indikator dafür sein, dass eine hohe kurzfristige Kapitalbindung besteht. Mögliche Ursachen für diese Beobachtung können beispielsweise ein hoher Lagerbestand oder auch hohe Forderungen gegenüber Kunden sein. In diesem Fall wird die kurzfristige Liquiditätslage des Unternehmens durch das hohe Net Working Capital verringert. In der Folge kann die Liquiditätslaufzeit wesentlich verkürzt werden und die Notwendigkeit einer Finanzierung mit Fremd- oder Eigenkapital entstehen.

Die Betrachtung des Net Working Capital eignet sich nicht dazu, Unternehmen untereinander zu vergleichen. Je nach Geschäftsmodell sind beispielsweise unterschiedlich hohe Lagerbestände notwendig. Das Net Working Capital eines produzierenden Unternehmens, welches zur Produktion  Vorräte lagert, ist in der Regel höher als das eines Softwareentwicklers, welcher keine Vorräte benötigt.

Der Cash Conversion Cycle beschreibt die Dauer zwischen der ersten Auszahlung für den Wareneinkauf, über die Herstellung, bis zum Geldeingang durch den Kunden für einen Auftrag oder ein Produkt.

Um Aussagen darüber zu treffen, wie schnell Investitionen in Vorräte dem Unternehmen als Cash-Flow zukommen, wird das Net Working Capital in Relation zu den Umsätzen eines Unternehmens gemessen. Dies ist durch die Ermittlung des CCC, auch Geldumschlagsdauer genannt, möglich. Der CCC gibt die durchschnittliche Anzahl an Tagen an, die das Unternehmen benötigt, um Kapitalabflüsse für den Kauf von Vorräten in Kapitalzuflüsse aus seinen Forderungen aus Lieferungen und Leistung zu wandeln. Der CCC zeigt also auf, wie lange das Kapital eines Unternehmens in seinen Geschäften gebunden bleibt. Zur Berechnung des CCC ist die Bestimmung der folgenden drei Kennzahlen notwendig:

Die Berechnung der Kennzahlen erfolgt hier beispielhaft für ein Jahr (365 Tage), es ist jedoch auch eine monatliche, wöchentliche etc. Betrachtung möglich. Dabei werden die entsprechenden Werte in der Formel verwendet und mit dem entsprechenden Zeitwert (x30 für Tage, x7 für Wochen) multipliziert.

Days Sales Outstanding (DSO): Die durchschnittliche Dauer der Zahlungseingänge aus Lieferungen und Leistungen in Tagen (vgl. Abb. 1).

DSO = (Durchschnittl. Forderungen / Umsatzerlöse) x 365 Tage

Days Payable Outstanding (DPO): die durchschnittliche Dauer in Tagen bis zur Begleichung ausstehender Verbindlichkeiten (vgl. Abb. 1).

DPO = (Durchschnittl. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen / Gesamtkäufe) x 365 Tage

Days Inventory Held (DIH): Die durchschnittliche Anzahl an Tagen, die sich Vorräte vom Wareneingang bis zum Verkauf im Unternehmen befinden (vgl. Abb. 1).

DIH = (Durchschnittl. Lagerbestand / Materialaufwand – Sonst. Betriebl. Aufwendungen) x 365 Tage

Abbildung 1




in Anlehnung an Seppelfricke, Peter, Unternehmensanalysen, 1. Auflage 2019, Kap. 2 Finanzanalysen, S. 140

Auf Basis der oben dargestellten Kennzahlen lässt sich nun der CCC wie folgt berechnen:

CCC = DIH + DSO – DPO

Je kürzer der CCC, desto geringer ist der Zwischenfinanzierungsbedarf eines Unternehmens, da weniger Tage benötigt werden, um eine Investition in den Lagerbestand wieder in liquide Mittel durch Verkäufe umzuwandeln.

Auch beim CCC ist die Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen nicht gegeben, da sich die einzelnen Kennzahlen je nach Geschäftstätigkeit unterscheiden und somit zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen können. Innerhalb einer Branche kann der CCC jedoch als ein Vergleichswert für die Effizienz der Kapitalbindung genutzt werden.

Zeigen die Analysen des Net Working Capitals und Cash Conversion Cycle eine hohe Kapitalbindung auf, könnte Handlungsbedarf in der Lagerhaltung oder dem Management von Forderungen und Verbindlichkeiten bestehen. Dabei können Unternehmen mit vergleichbarer Wertschöpfung als Benchmark herangezogen werden.

Im nächsten Teil unserer Reihe zum heben der Werthebel durch aktives Working Capital Management werden die einzelnen Kennzahlen des Cash Conversion Cycle näher beleuchtet. Außerdem zeigen wir Maßnahmen zur Optimierung des CCC sowie des Net Working Capital auf.

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