Template: 13-Wochen-Liquiditätsplanung

In unserem letzten Blogartikel haben wir euch aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie und ihren Auswirkungen Empfehlungen zur kurzfristigen Liquiditätssicherung bei Jungunternehmen und Start-Ups vorgestellt. Aufgrund einiger Rückmeldungen und Anfragen auf diese Empfehlungen der letzten Woche haben wir ein Template für eine 13-Wochen-Liquiditätsplanung erstellt, welches wir gerne mit euch teilen möchten, da es besonders in Krisenzeiten wichtig ist, einen genauen Überblick über seine Liquidität zu haben, um rechtzeitig reagieren zu können und eine Unterdeckung zu vermeiden.

Wieso sollte man eine 13-Wochen-Liquiditätsplanung aufstellen?

Ziel der Analyse ist es, eine mögliche Unterdeckung frühzeitig zu erkennen und entsprechend reagieren zu können. Kein Blindflug, sondern klare Analyse.

Gemäß §15 InsO besteht seitens der Geschäftsführung eine Insolvenzantragspflicht, wenn eine Zahlungsunfähigkeit innerhalb der folgenden 3 Wochen anzunehmen ist. Zurzeit besteht diese Pflicht unter bestimmten Anforderungen nicht, dies sollte allerdings sehr vorsichtig geprüft werden.

Um die Zahlungsfähigkeit zu beurteilen, geht man zunächst vom aktuellen Liquiditätsstatus aus. Falls eine Zahlungsunfähigkeit vorliegt, muss die Geschäftsführung sicherstellen, dass die Zahlungsfähigkeit in einem Zeitraum von 21 Tagen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit wiederhergestellt werden kann. Ist dies nicht der Fall, besteht die Pflicht, unmittelbar einen Insolvenzantrag zu stellen.

Ein Plan über nur 21 Tage bietet allerdings keine ausreichende Transparenz über die mittelfristige Entwicklung. Die Chancen auf eine Rettung des Unternehmens und z.B. den Erhalt der Arbeitsplätze steigen enorm, wenn frühzeitig Risiken erkannt werden und geeignete Maßnahmen ergriffen werden.

Daher ist in der Praxis eine rollierende, detaillierte Liquiditätsplanung über 13 Wochen ein gängiges Instrument zur frühzeitigen Erkennung der möglichen Zahlungsunfähigkeit. Dieser Zeitabschnitt ist gut planbar und erlaubt eine adäquate Reaktionszeit bei drohender Unterdeckung.

Hier könnt ihr unser Template für Eure 13-Wochen-Liquiditätsplanung downloaden.

Wie ist unser Template zu verwenden?

Schritt 1: Feststellung des Finanzstatus: Hierfür müssen verfügbare liquide Mittel den kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenübergestellt werden. Dazu werden fällige Verbindlichkeiten, Kontostände, Kassenbestände und verfügbare Kontokorrentlinien in Tab 1 „Fin_Status“ eingetragen. Es ergibt sich die verfügbare Liquidität sowie der Deckungsgrad. Zu beachten ist es, dass Forderungen aufgrund ihrer möglichen Ausfallwahrscheinlichkeit nicht eingerechnet werden.

Ist der Finanzstatus positiv, also ergibt sich ein positiver Betrag bei der verfügbaren Liquidität, ist die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens zumindest aktuell gesichert. Ist er negativ, sollten unverzüglich liquiditätssichernde Maßnahmen ergriffen werden. Der Finanzstatus gibt jedoch keine Auskunft über die ständige Zahlungsbereitschaft. Hierzu ist eine weitere Analyse notwendig.

Der Deckungsgrad gibt hierbei Information über das Verhältnis der verfügbaren Liquidität zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten und sollte über 100% liegen. Bei einem Deckungsgrad unter 100% liegt eine drohende Zahlungsunfähigkeit vor.

Schritt 2: Planung der Ein- und Auszahlungen auf Kontenebene innerhalb der kommenden 13 Wochen: Als nächstes müssen in Tab 3 „Liq_Plan“ die relevanten Daten eingetragen werden. Dies sind alle Einzahlungen (Zeile 7 bis 11), alle Auszahlungen (Zeile 13 bis 26), Investitionen (Zeile 31) sowie die Darlehenseinzahlungen – oder Rückzahlungen (Zeile 33 und 34). Mögliche Datenquellen sind hier z.B. Verträge oder Offene Posten-Listen. Beachtet hierbei, dass wir einen Beispiel-Kontenrahmen hinterlegt haben. Ihr solltet die Kontenbezeichnungen entsprechend eurer individuellen Situation anpassen. Aus diesen Angaben ergibt sich der s.g. Netto Cash Flow, welcher aussagt, wie sich die verfügbare Liquidität innerhalb der Planungswoche verändert.

In Zeile 41 kann nun die freie Liquidität (positiver Betrag) bzw. Unterdeckung (negativer Betrag) abgelesen werden, welche sich aus der Liquidität unter Berücksichtigung fälliger Verbindlichkeiten sowie der Kontokorrentlinie ergibt.

Schritt 3: Rollierende, wöchentliche Aktualisierung: Um einen aussagekräftigen Überblick zu behalten, ist die wöchentliche Datenaktualisierung notwendig. Hierbei gilt es, insbesondere wöchentlich die geplante Liquidität mit der tatsächlich eingetretenen zu vergleichen und entsprechende Planungsanpassungen vorzunehmen.

Bei drohender Unterdeckung ist das Ergreifen geeigneter, kurzfristig wirkender Maßnahmen, wie z.B. das Schieben von Rechnungen oder Steuerstundungen unbedingt notwendig. Längerfristig können z.B. Working-Capital-Maßnahmen ergriffen werden, welche allerdings mehrere Wochen zur Durchführung benötigen. Bei unzureichenden internen Cash Flows muss auf externe Finanzierungsmöglichkeiten durch z.B. Kreditinstitute oder Investoren zurückgegriffen werden.

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